Was bedeutet Bushcraft? Und was ist der Unterschied zu Survival?

Bushcraft und Survival gehen Hand in Hand wie Trekking und Wandern, aber sie sind dennoch verschieden in den wichtigsten Punkten. Während ein Bushcrafter freiwillig eine länger absehbare oder unabsehbare Zeit in der freien Natur, unter einfachsten Bedingungen verbringen möchte, so ist der Survivaler auf Grund einer Notlage, wie etwa Hochwasser oder schlimmeren, unfreiwillig in eine Situation gekommen in der er Überleben möchte.

Ein weiterer Unterschied ist, dass der Bushcrafter sich sein Lager so Baut, dass er möglichst lange und Komfortabel darin Leben kann. Der Survivaler hingegen sucht sich einen Unterschlupf, den er nach Möglichkeit nicht selbst erbauen muss, aber ihm dennoch Sicherheit gibt.

Der Bushcrafter möchte sein „Handwerk“ vertiefen und erweitern, möchte selbst Jagen und sich möglichst Autark versorgen. Dabei gilt es sich jeden Tag aufs Neue mit der Natur und ihren vielen verschiedenen darin Lebenden Tiere und Pflanzen auseinanderzusetzen.

Du möchtest auch Bushcrafter werden und fragst Dich was Du dazu alles brauchst?

Diese Frage wird immer gestellt und die Antwort ist jedes Mal dieselbe. In erster Line brauchst Du nichts, nichts außer das Interesse an der Natur und Willen etwas selbst zu machen. Ein wenig Handwerkliches Grundwissen wäre schön, aber ist nicht die zwingende Voraussetzung.

Auch an Kleidung brauchst Du nichts Besonderes, hier reichen ein paar alte lange Hosen die auch Dreckig werden können, alte, nach Möglichkeit feste, Schuhe und alte Oberbekleidung. Vielleicht noch eine alte Jacke und eine Mütze falls Du in der prallen Sonne am Werkeln bist.

An Werkzeug brauchst Du eigentlich nur ein altes Messer, auch das muss nichts Besonderes sein, für den Anfang. Etwas Schnur, um etwas zu Befestigen oder etwas Aufzuhängen. Den Rest findest Du in der Natur, bzw. kannst Du es Dir nach und nach Besorgen.

Ein alter Rucksack oder eine alte Tasche, worin Du etwas zu trinken und Proviant verstauen kannst, wären von Vorteil, aber auch nicht zwingend nötig.

So habe ich damit Angefangen.

In den Jahren seitdem ich das Bushcrafting für mich als Entspannung entdeckt habe, wurde ich immer mal wieder gefragt wie ich damit Angefangen habe. Jedes Mal ist es dieselbe Antwort. Als Kind war ich viel mit meinen Urgroßeltern unterwegs, durfte viel draußen unternehmen und entdecken, vor dem Fernseher sitzen war nur bei schlechtem Wetter erlaubt, oder (damals gab es noch die „Kinderstunde“) eine Stunde am Tag. Regelmäßig machten meine Urgroßeltern tolle Ausflüge mit mir, aber mit meinem Urgroßvater hatte ich den meisten Spaß.

Da mein Urgroßvater als Jugendlicher bei der, heute würde man Pfadfindern sagen, Landjugend war, wusste er viel über die Natur. Durch den 2. Weltkrieg lernte er noch mehr über die Natur und wie man sie nutzen kann. Also fragte er mich irgendwann mal ob ich das auch können möchte. Klar war meine Antwort ja.

Viele denken, dass wir dann in ein Geschäft gegangen sind und haben uns die tollste und teuerste Ausrüstung gekauft, aber ganz im Gegenteil. Meine Urgroßmutter bekam den Auftrag mir alte Hosten zu Flicken und mit mir zusammen eine Scheide aus Leder, für das Schälmesser, dass ich bekam, zu nähen. Ja mein erstes Messer war ein altes Schälmesser, ein recht gutes, die Klinge die es hatte war Scharf wie Hölle und vor allem waren Klinge und Heft aus einem Stück Metall. Das Heft wurde in zwei Holzwangen genietet.

Meine Urgroßmutter brachte mir bei wie man Leder zu einer Scheide verarbeitet und das Vernäht, brachte mir bei wie man ein Messer Schärft und damit umgeht. Mein Urgroßvater zeigte mir wie man aus einem alten Kartoffelsack, die damals noch aus Leinen oder Jurte waren, eine Tasche macht.

Im Großen und Ganzen hat meine Ausrüstung damals rund 5,00 DM gekostet, denn das einzige was ich noch gekauft bekam war eine gebrauchte Regenjacke und eine Mütze, alles andere wurde selbst gemacht, bzw. war vorhanden.

Das Messer begleitete mich fast 20 Jahre, bis ich es leider samt Scheide verlor, die Tasche hat mich gute 5 Jahre begleitet bis sie kaputt ging.

Alles was ich über das Bushcrafting gelernt habe, lernte ich von meinem Urgroßvater, auch was man draußen essen kann und welche Pflanzen gegen Bauchweh oder Zahnschmerzen helfen. Wie man Fallen baut um zu jagen, wie man sich einen Flitzebogen baut und wie man sich einen Unterstand schafft.

Heute ist meine Ausrüstung nicht viel größer geworden, klar ich habe keine Tasche mehr, sondern einen Rucksack, verschiedene Messer und einen kleinen Klappsparten, den man zur Not als Beil verwenden kann, einige Meter Seil, Brennspirituskocher mit Geschirr und eine erste Hilfe Molle habe ich in mein Basic Equipment aufgenommen. Statt einer Regenjacke habe ich heute einen Regenponcho, den ich zur Not als Sonnensegel oder Tarp nutzen kann. Ein Zelt, eine Isomatte und ein Schlafsack sind auch in meinem Rucksack gelandet, denn damals sind wir abends immer nach Hause und hatten nie Draußen übernachtet. Wenn dann nur im Garten.

Und das hat mich nicht mal viel gekostet. Rucksack und Schlafsack sowie ein Zelt und den Brennspirituskocher mit Geschirr habe ich in dem Militär-Shop eines Bekannten gekauft. Rucksack, Spirituskocher mit Geschirr und Zelt waren Neu und haben mich ca. 60,00 Euro gekostet. Da ich für meine Frau und meine Tochter auch Sachen gekauft hatte wurde alles etwas günstiger. Der gebrauchte Schlafsack ist ein Militärschlafsack für den Winter und kann bis -20 Grad ab und das für einen Preis von 30,00 Euro pro Stück. Zum schluss wurde das ganze noch durch Taschenlampen, ein Beil und selbst Zusammengestellte Feuerkit´s erweitert.

Im Nachhinein habe ich dann noch mehrere Messer und ein Feuerstahl sowie ein Fernglas und ein Fernrohr gekauft, auch hier war ich sehr günstig, meine Sachen, die ich benutze haben mich nochmal rund 50,00 Euro gekostet und ich bekam sogar noch zwei Esbitkocher mit Brennsteinen geschenkt, die waren zwar gebraucht aber dafür umsonst. Den Regenponcho, extra eine sehr dicke Ausführung, habe ich für rund 15,00 Euro erstanden.

Die Klamotten die ich bei all meinen Outdooraktivitäten trage, sind zu 90 % aus einem Secondhand Laden und kosten somit nicht mehr als 12,00 Euro pro Teil. Da ich im Handwerk arbeite habe ich immer Feste Schuhe die auch Halbhoch sind und Kosten mich nichts.

Meine erste Hilfe Molle habe ich übers Internet für rund 15,00 Euro bestellt, den Inhalt habe ich aus einem KFZ Verbandskasten der 5,00 Euro gekostet hat. Zusatz Material wie Einweg Skalpell habe ich günstig aus einer Apotheke bekommen für rund 5,00 Euro pro 10er Packung. Ein Wundnahtset habe ich von einem Befreundeten Piercingstudio geschenkt bekommen.

Meine Ausrüstung hat mich wenn ich alles zusammen nehme gerade Mal 204,00 €uro gekostet. Aber das habe ich auch nicht auf einmal gekauft, sondern immer nach und nach. Es ist natürlich auch möglich noch weniger zu zahlen, aber dann hat man meist keinen langen Spaß oder Nutzen davon, weil die Qualität nicht stimmt und da spreche ich aus Erfahrung. Meine erste Ausrüstung die ich für gerade einmal 100,00 Euro gekauft hatte ging schon bei der zweiten Tour komplett kaputt. Also habe ich mal mehr auf die Qualität geachtet und habe diese Ausrüstung schon seit mehr als 3 Jahre und schon bestimmt 100 Touren damit gemacht.

Worauf sollte man beim Kauf achten?

Rucksäcke sollten ein Volumen von mindesten 35 Liter haben, eine gute Polsterung an den Schulterriemen haben und nach Möglichkeit einen Hüft Gurt haben. Ein Molle System ist hier von Vorteil. Bei Rucksäcken ab 50 Liter sollte ein innenliegendes Tragegestell vorhanden sein und er sollte Komplett Einstellbar sein. Der Hüft Gurt sollte hier gepolstert sein.

Die Kleidung kann man im Secondhand Laden kaufen, da bekommst Du sie für wenig Geld und findest garantiert etwas was auch Zweckmäßig ist. Vielleicht hat auch dein Militär-Shop gebrauchte Sachen für wenige Euros.

Bei den Schuhen streiten sich die Geister, der eine sagt die müssen Neu sein, der andere sagt gebraucht reicht. Vorweg sei gesagt, wenn man Schuhe gebraucht kauft sind sie in aller Regel Professionell gereinigt worden, also hier keine Angst vor Keimen (Fußpilz usw.). Die meisten gebrauchten Schuhe sind auch schon gut Eingelaufen, das kann ein Vorteil sein. Letzten Endes muss das jeder für sich entscheiden.

Handschuhe sind für viele arbeiten im freien von Vorteil, aber ich persönlich würde hier auf ein paar Handschuhe setzten aus Leder, Ziegenlederhandschuhe bekommt man für kleines Geld und hier würde ich persönlich auch nie Gebrauchte nehmen, einfach da es sich nur um wenige Euro handelt die den Unterschied zu neuen machen.

Koch Sets bekommst Du schon für wenig Geld Neu im Militär-Shop. Ich persönlich habe ein Brennspiritus Koch Set, zwei Töpfe und eine Pfanne inklusive Brenner. Dafür habe ich wenig gezahlt. Alternativ geht auch ein Esbitkocher.

Schlafsäcke sind so eine Sache. Du musst wissen was Du machen möchtest. Gebraucht bekommt man die auch im Militär-Shop für kleines Geld und was von Militär kommt ist robust. Nur solltest du im Winter auch den entsprechenden Schlafsack haben, msonst wired es Unschön.

Bei Zelten streiten sich die Geister, der eine will eins, was im Sommer und Winter nutzbar ist, der andere will keins. Ich persönlich habe einige und es sind alles Sommer Zelte. Einige mit innen Zelt und einige ohne. Ehrlich gesagt ist es, aus meiner Sicht, egal, solange es seine Aufgabe erfüllt und man einen vernünftigen Schlafsack hat und man das ein oder andere beachtet. Sicher ist ein Sommerzelt nicht für die Antarktis geeignet, aber ich komme in unseren Breitengraden mit einem Vernünftigen Sommerzelt gut zurecht, auch im Winter.

Ein Messer sollte nicht nach dem Waffengesetz dem Führungsverbot unterliegen, auch generell sollte es nicht verboten sein. Einem Anfänger würde ich immer ein Feststehendes Messer empfehlen, mit einer Klingenlänge von max. 12 cm. Es sollte eine Scheide haben und auch vernünftig verarbeitet sein. Selbstverständlich sollte es auch Scharf sein, denn mit einem stumpfen Messer mache es zum einen keinen Spaß und zum anderen ist die Verletzungsgefahr extrem hoch. Nur ein Scharfes Messer ist ein sicheres Messer.

Erste Hilfe Ausrüstung muss nicht teuer sein, nur weil Outdoor draufsteht. In aller Regel ist das fast Identisch mit dem was sich in einem Verbandkasten eines KFZ befindet. Daher empfehle ich, sich eine günstige Molle zu besorgen und den Inhalt eines KFZ Verbandkasten dahinein umzupacken.